Kontakt Kommunikationsregeln RSS

Kleinschmalkalden

Aus der Geschichte Kleinschmalkaldens
(Kurzfassung)

Die Entstehung einer Siedlung im oberen Schmalkaldetal steht im Zusammenhang mit den Eisenerzvorkommen in der Umgebung. Schon in der Zeit der urkundlichen Ersterwähnung 1378 existierten ein sicher mit Wasserkraft betriebener Hammer, der eiserne Geräte (z.B. Pflugschare) herstellte und einige Häuser. Diese erste Ansiedlung befand sich westlich der Schmalkalde, die hier die Grenze zwischen Henneberg/Hessen und Sachsen bildete. Da für die Eisenherstellung unbedingt Holzkohle benötigt wurde, siedelten sich Köhler und Holzhauer an, eine Schneidemühle existierte bereits um 1430. Mit der Bezeichnung „Inn der klein Schmalkalden“ erfolgte im Jahre 1465 die erstmalige Nennung als Dorf. Mitte des 16. Jahrhunderts hatte sich die Anzahl der Eisenhämmer im Ort auf vier erhöht. Ihr großer Holzbedarf wurde natürlich auch durch die in unmittelbare Nähe befindlichen sächsischen Wälder mit gedeckt. Um diese Übergriffe einzudämmen, setzte man um 1500 von sächsischer Seite einen Forstbeamten ein, dem Holzhauer und Köhler folgten. Damit entstand östlich der Schmalkalde eine neue Ansiedlung, deren Bewohner von denen am jenseitigen Schmalkaldeufer als unwillkommene Ausländer betrachtet wurden. Spannungen und Auseinandersetzungen im Zusammenleben der Menschen im engen Tal waren damit vorprogrammiert.

1591 wohnten auf der sogenannten gothaischen Seite in lediglich 6 Häusern etwa 30 Bewohner während es auf der hessischen Seite in 107 Häusern schon etwa 500 Einwohner gab. Im Dreißigjährigen Krieg erlebten die beiden Orte, durch die die Alte Straße von Schmalkalden über die Kniebreche nach Friedrichroda zog, viele Durchzüge, Einquartierungen und Plünderungen. Die ständig zu entrichtenden Kriegskontributionen wurden zu einer erdrückenden Last für die Bewohner.

Im hessischen Ortsteil existierten im 17. Jahrhundert nur noch zwei Hämmer, dafür vier Mahlmühlen, eine Schneidemühle und eine Ölmühle, im gothaischen Ortsteil eine Pulvermühle. Nach wie vor war das Köhlerhandwerk in beiden Orten dominierend, es gab auch etliche Holzhauer, Schubkärrner und Fuhrleute. Auf der hessischen Seite betrieben einige Einwohner die Scheidenmacherei, während sich auf der gothaischen Seite das Schmiede -und Schlosserhandwerk entwickelte. Schon 1666 wird ein Mautrommelschmied genannt. Dieses einfache Musikinstrument wurde bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts auf der gothaischen Seite hergestellt.

1748 erließ Herzog Friedrich III. von Sachsen – Gotha – Altenburg eine Innungsordnung für die Schlosser und Schmiede in diesem Ort, wohl ein Beweis dafür, dass dieses Handwerk in recht hoher Blüte stand. Vorherrschend waren Lothschlosser, die Vorhängeschlösser in ihren kleinen Werkstätten fertigten. Durch das Eisenhandwerk kam es in beiden Orten zur Herstellung von Blasebälgen, ein damals in den Eisenhämmern, Schmieden und Schlossereien unentbehrliches Hilfsmittel. Besonders im 19. Jahrhundert wurden Blasebälge in bedeutenden Mengen in Kleinschmalkalden gefertigt und in alle Gegenden Deutschlands und ins Ausland vertrieben.

In dieser Zeit kam auch das Korbmacherhandwerk als vorwiegende Heimarbeit so stark auf, dass es fast in jeder Familie zur Lebensgrundlage wurde. Es gründeten sich einige Korbwaren – später auch Korbmöbelmanufakturen, aus denen zwei, nämlich die Firmen J.C.Faust und C.A.Faust, zu bedeutenden Lederwarenfabriken aufstiegen. Letztere Firma stellte 1964 für die gesamtdeutsche Olympiamannschaft und danach für die DDR-Mannschaft das Reisegepäck her. Die oben genannten Eisen -und Korbwaren wurden von etlichen Handelsleuten, die besonders auf der hessischen Seite ansässig waren, über weite Entfernungen vertrieben. Hervorzuheben sind die Handelshäuser Wiß, Dellit, Sterzing (Eisenwaren) und Popp (Korbwaren), die internationale Handelsbeziehungen pflegten.

Um 1860 entstand aus der hier ansässigen Leinenweberei die Feuereimer – und Schlauchherstellung, die sich aber nur bis zum 1.Weltkrieg hielt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde im Ort die Zigarrenfabrikation etabliert.

Zu einem wichtigen Betrieb hatte sich in der DDR-Zeit der VEB Kleinmetallwaren, später VEB Elektroinstallation entwickelt, der Alleinhersteller von Zündverteilern für die Autoproduktion in der DDR war. Leider gingen nach der Wende viele Arbeitsplätze im Ort durch Betriebsschließungen verloren, es gelang auch nicht, ein Gewerbegebiet aufzubauen.


Zwei besondere Produktionszweige, nämlich die Glockenherstellung und die Verarbeitung von Hirschhorn haben sich bis heute erhalten. Erstere geht bis um 1870 zurück und wird von der Venter – Glocken GmbH ausgeführt, die Herstellung von Hirschhornwaren begann bei der Firma Kurt Haenel 1947 und bei der Firma Martin Funk 1990. Die Tradition der Lederwarenherstellung wird durch die Betriebe Rox Hamann GmbH und Lederverarbeitung „Hohe Warte“ GmbH (1958 als PGH Kleinlederwaren gegründet), allerdings mit erheblich weniger Arbeitskräften, fortgesetzt.

Die Landwirtschaft wurde wegen des bergigen Geländes praktisch nur im Nebenerwerb betrieben, war aber für Mensch und Tier damals lebensnotwendig. Viele der steilen Felder konnte man lediglich in Handarbeit bestellen. Diese mühseligen Tätigkeiten mussten von den meisten Einwohnern bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts ausgeübt werden.
Die beiden Orte gleichen Namens waren in der Vergangenheit nicht nur durch die Schmalkalde, im Volksmund Grenzwasser genannt, und durch die Zugehörigkeit zu verschiedenen Ländern getrennt, es bestanden auch recht große Unterschiede in den wirtschaftlichen Voraussetzungen. Die Haupteinnahmequelle der hessischen Gemeinde war der große Waldbesitz, der mit Brotterode gemeinsam bewirtschaftet wurde.

Die gothaische Gemeinde besaß dagegen kaum Gemeindeeigentum, es fiel ihr immer schwer, kommunale Aufgaben zu bewältigen. Zwar hatte der damals nur 89 Einwohner zählende Ort 1661 durch die Fürsprache des gothaischen Herzogs (Ernst der Fromme) eine eigene Schule erhalten, aber es wirkte sich sehr negativ aus, dass die gothaischen Einwohner mangels einer Kirche auf der hessischen Seite eingepfarrt waren. Das äußerte sich besonders nach dem Kirchbau 1719, als anstelle der alten Holzkirche von 1570 eine größere, der Einwohnerzahl der beiden Gemeinden entsprechende steinerne Kirche errichtet wurde. Die arme gothaische Gemeinde konnte beim Bau und der Erhaltung des Gotteshauses die geforderten Geldmittel nicht aufbringen. Die dadurch und durch andere Vorkommnisse entstandenen Streitigkeiten legten sich erst mit dem Bau einer eigenen Kirche im Jahre 1854.

Nachdem sich die Bewohner der beiden Orte im deutschen Bruderkrieg von 1866 noch unfreiwillig feindlich gegenüberstanden, weil der gothaische Herzog Anhänger Preußens und der hessische Kurfürst mit Österreich verbunden war, fanden sich die Orte im neu gegründeten Deutschen Reich wieder, allerdings immer noch in getrennten Ländern (Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha und Königreich Preußen). Das änderte sich auch nach dem 1.Weltkrieg nicht, als der Kaiser und die Fürsten abdankten und man 1920 das Land Thüringen, aber ohne die preußischen Gebiete bildete. Der gothaische Ortsteil gehörte jetzt zum Land Thüringen.
Bild Kleinschmalkalden 1960

Die beiden Orte wurden erst am 1.10.1945 vereinigt und ohne Befragung der Einwohner in Pappenheim umbenannt (nach dem Schmalkalder Antifaschisten Ludwig Pappenheim). Am 27.7.1990 erfolgte nach Mehrheitsentscheid die Rückbenennung. 1994 lebte gewissermaßen eine alte Tradition wieder auf. Brotterode und das hessische Kleinschmalkalden hatten früher als Cent Brotterode jahrhundertelang eine Verwaltungseinheit gebildet. Alle Einnahmen und Ausgaben, die beide Orte betrafen, (z.B. Wald und Gerichtsbarkeit) wurden im Verhältnis der Einwohnerzahlen geteilt. Nach langwierigen Streitereien und Verhandlungen kam es aber 1743 zur Aufteilung und der getrennten Bewirtschaftung des großen Kommunalwaldes. Da auch der moderne, durch demokratische Bürgerbefragung gestützte Versuch der beiden Orte, als Verwaltungsgemeinschaft „Rennsteig“ zusammen zu arbeiten, die Erwartungen nicht erfüllte, wurde diese am 31.1.2006 wieder aufgelöst.

Kleinschmalkalden gab einen Tag später seine Eigenständigkeit auf und trat der Gemeinde Floh – Seligenthal als 6.Ortsteil bei.


Rainer König - Ortschronist

Nachrichten

Stellenausschreibung Leiter/in
Gemeinschaftsküche
Stellenausschreibung Kassierer/in
Schwimmbäder
Stellenausschreibung Fachangestellte/r Bäderbetriebe
Schwimmbad OT Kleinschmalkalden
Mängelmeldung